von Susann Schönewald / Foto: fotoart-af.de – Quelle: Südthüringer Zeitung / Freies Wort vom 11.02.2016

Schmalkalden Der Wegfall des Sterbegeldes, veränderte Familienstrukturen und häufigere Wohnortwechsel verlangen immer mehr nach einfachen, unkomplizierten Bestattungsformen. Auch hohe Friedhofs- gebühren sind ein Grund, warum sich viele eine Alternative zum herkömmlichen Erdreihengrab wünschen. Hinzu kommt, dass man seine Angehörigen, die oft in einer anderen Stadt, manche sogar in einem anderen Land wohnen, mit der Grabpflege nicht belasten will.

Mit der Einrichtung eines Kolumbariums für Schmalkalden und das Umland hat die CDU-Stadtratsfraktion jetzt eine alternative letzte Ruhestätte ins Gespräch gebracht , die gefragter ist denn je. Sie ist pflegeleicht und bezahlbar – und es gibt, im Gegensatz zur anonymen Beisetzung – für die Hinterbliebenen einen konkreten Ort zum Trauern.

In der Totenhofkirche meinen die Christdemokraten das passende Ambiente gefunden zu haben. Das 1760 errichtete und Anfang der 1960er- Jahre aufgegebene Gebäude trage seine einstige Funktion im Namen, argumentiert Ralf Liebaug für die neue Nutzung. Kurze Wege, gute Anbindung an den Busbahnhof und die Innenstadt, Parkplätze und überschaubare Baukosten seien weitere Pluspunkte, die für ein Kolumbarium in dem ehemaligen Trauerhaus mit angeschlossenem Friedhof sprächen. Die Nachfrage sei da, hat sich der CDU-Fraktionsvorsitzende kundig gemacht, zum Beispiel in Kirchengemeinden, die sich dem Vernehmen nach ebenfalls mit dieser Bestattungsform beschäftigen.

Das Interesse an Kolumbarien in Deutschland nimmt zwar erst seit den letzten Jahren merklich zu, doch gibt es mittlerweile mehr als zehn Kirchen, die zu einer Urnenhalle umgebaut wurden oder in die ein Kolumbarium integriert wurde. Vor neun Jahren eröffnete die katholische Allerheiligenkirche in Erfurt das erste mitteldeutsche Kolumbarium in einer geweihten Kirche, in dem Christen und Nichtchristen bestattet werden. 420 Urnenplätze bietet seit etwa drei Jahren die Magdalenenkapelle, die ebenfalls zur Dompfarrei Erfurt gehört. Auch in Ilmenau erfreut sich dieses Bestattungsform, etabliert in einem ehemaligen Leichenhaus auf dem Hauptfriedhof, zunehmender Beliebtheit.

Alternative Orte prüfen

Der Haupt- und Finanzausschuss wurde jüngst das erste Mal mit diesem Thema konfrontiert. Denn die Stadtverwaltung soll, so der Antrag der CDU, die Einrichtung eines Kolumbariums in der Totenhofkirche prüfen und die notwendigen Kosten dazu ermitteln.

Prinzipiell stieß das Ansinnen der Christdemokraten auf Zustimmung. Zweifelsohne sei die Bestattungskultur im Wandel begriffen, sagte Klaus-Dieter Kaiser. Allerdings bezweifelte er, dass der Standort der richtige sei. Er würde am liebsten die Schmalkalder fragen, ob sie sich solch eine Begräbnisstätte in der Totenhofkirche vorstellen können. „Eine gute Idee“, bescheinigte auch Stephan Danz der CDU. Allerdings lehnte er den vorgeschlagenen Standort kategorisch ab. „Wir haben für das Gebäude andere Pläne und für das Gebiet einen anderen Rahmen“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende. Das Konzept von der Kindererlebniswelt und der Achse mit Angeboten für Kinder, Jugendliche und Familien, an der die privat betriebene Kinderspielfabrik liegt, die städtische Kindererlebniswelt und die Helüsa-Halle mit den Skatern, sei noch nicht begraben.

Bürgermeister Thomas Kaminski war von der beantragten Umnutzung der Totenhofkirche ganz und gar nicht begeistert. Der Aufbau der Kindererlebniswelt müsse zwar aktuell anderen Projekten weichen, stünde aber nach wie vor auf der Prioritätenliste, betonte er. Der Stadtchef plädierte ebenfalls für die „Perlenkette an touristisch interessanten Stätten“, für die vor ihm schon Stephan Danz geworben hatte. Ein Kolumbarium in der Totenhofkirche würde die Achse unterbrechen. Aus seiner Sicht müsse man grundsätzlich darüber diskutieren, ob diese neue Bestattungsform überhaupt nötig ist, und wenn, solch ein Ort nicht eher in der Nähe des Friedhofes eingerichtet werden sollte. Die Debatte möchte Kaminski gleichfalls nutzen, um generell über die von der Kommune angebotenen Beisetzungsarten zu diskutieren. Dazu gehöre ebenso die Einrichtung eines Waldfriedhofes. Allerdings warnte der Bürgermeister davor, auf jeden Zug aufspringen zu wollen, der gerade unterwegs ist.

Aus Sicht des Bauamtsleiters stehen dem Vorhaben zu hohe Kosten entgegen. Seiner Meinung nach sei die Stadt auf das Umland angewiesen, um die Plätze zu füllen. Die Gemeinden wiederum müssten dann ihre Friedhofssatzungen ändern. Hilpert hinterfragte, ob es denn unbedingt eine Kirche sein müsse. Es gebe sicherlich auch andere Möglichkeiten.

Am Montag, 15. Februar, behandelt der Stadtrat den Antrag der CDU-Fraktion. Allerdings entschärft. Ralf Liebaug hat sich auf den im Haupt- und Finanzausschuss vorgeschlagenen Kompromiss eingelassen, die Einrichtung eines Kolumbariums zwar zu prüfen – aber losgelöst vom Standort Totenhofkirche.

Anmerkung der CDU Fraktion Schmalkalden zu diesem Artikel:

Vielen Dank an unsere Heimatzeitung für die konstruktive Berichterstattung zu unserem Antrag für ein Kolumbarium und der Umsetzung des FriedWald Konzeptes.

In Ergänzung dazu möchten wir noch anmerken, dass die beiden Vertreter unserer Fraktion im Haupt- und Finanzausschuss, Ralf Liebaug und Thomas Lorenz, diesem Kompromiss zugestimmt haben, um die Chance auf ein Kolumbarium und einen FriedWald in Schmalkalden nicht schon an der Frage des Standortes scheitern zu lassen, was angesichts des Diskussionsverlaufes zu befürchten war. Aus unserer Sicht ist es zunächst wichtiger die grundsätzliche Frage zu klären, ob wir in Schmalkalden solche Bestattungsformen wollen und uns leisten können. Erst wenn wir das geklärt und als Stadtrat beantwortet haben, macht die Diskussion über geeignete Standorte Sinn.

Wir möchten aber an dieser Stelle auch noch einmal betonen, dass wir die Unterbringung des Kolumbariums in der Totenhofkirche klar favorisieren, aus den im Artikel genannten Gründen sowie der Tatsache, dass damit eine langfristige Nutzung,der Erhalt und der Unterhalt des Gebäudes gesichert wäre, ohne den städtischen Haushalt zu belasten, da sich das Vorhaben voraussichtlich selbst tragen wird, wie das die Kolumbarien in Erfurt und Ilmenau bereits erfolgreich praktizieren.